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Gedankensplitter zu Misericordias

Der gute Hirte - treffen wir ihn auf der Mitte

Pfarrerin Anke Stöppler

Pfarrerin Anke Stöppler

Liebe Leserin, lieber Leser, mehrere Gedanken bewegen mich in diesen Tagen vor dem zweiten Sonntag nach Ostern. Die Inzidenzwerte der Corona Pandämie steigen stetig: ein Ende ist anscheinend nicht in Sicht. Ein Pfarrer unserer Landeskirche spricht davon, dass wir als Christen klagen dürfen. An diesem Sonntag wird deutschlandweit der bisher an Corona Verstorbenen erinnert. Dazu das Thema des zweiten Sonntags nach Ostern: „Jesus Christus, der gute Hirte“ mit einem Predigttext aus Hesekiel, der mit den Worten Gottes endet: „Ich will das Verlorene wieder suchen und das Verirrte zurückbringen und das Verwundete verbinden und das Schwache stärken und, was fett und stark ist, behüten: ich will sie weiden, wie es recht ist.“

Ich steche den Ballon meiner Gedanken bei dem Stichwort „Klagen“ an. Ja, auf jeden Fall darf ich mit meinen Klagen zu Gott, zu Jesus Christus gehen. Sie laut werden lassen, in meinem stillen Kämmerlein, in unserer Kirche eine Kerze anzünden, Gedanken im Gespräch mit Menschen teilen, mitteilen. Wenn ich Menschen frage: „Wie geht es dir?“, dann bekomme ich zur Antwort erst mal ein allgemeines „gut“. Aber dann fließen ganz oft die Klagen. Dann kommt alles raus, was uns erschreckt. Und das ist nicht nur alles das, was mit Corona zusammenhängt. Unser Nachbar, ein Dachdecker, erzählt: „Wir bekommen kein Holz mehr. Viele meiner Kollegen gehen jetzt schon in die Insolvenz. Es gibt auch kein Glas mehr und kein Plastik. Da stimmt doch was nicht.“ Menschen erzählen mir vom Leben, da ist einer alleine gelassen worden. Ja, sicher gibt es Verwandtschaft, aber alle sind zerstritten. Keiner kümmert sich mehr um den anderen. Corona Verstorbene – da denke ich so oft: das hätte nicht sein müssen. So viele Angehörige erfasst Bitterkeit, weil nicht besser aufgepasst wurde oder weil Menschen die Existenz dieser Pandemie leugnen und die Maßnahmen boykottieren. Eine Tante beginnt jedes Telefonat mit den Worten: „Die Welt ist so schlecht“. 

Ja, haben wir denn nicht schon genug geklagt? 

Dahinein knallt Gott mit der Rede vom guten Hirten, nicht mit dem Anspruch, dass wir zu ihm kommen sollen, sondern, dass er zu uns kommt. „Ich will das Verlorene suchen. Ich will das Verirrte zurückbringen. Ich will das Verwundete verbinden. Ich will das Schwache stark machen. Ich will behüten und auf euch aufpassen.“

Treffen wir uns auf der Mitte. Kommen wir mit unseren Klagen zu Gott, sehen wir ihn aber auch auf uns zukommen mit seinem Zuspruch, seinem Willen uns stark zu machen, seiner unbedingten Liebe zu jedem einzelnen von uns. Treffen wir uns auf der Mitte - mit unserer Klage aber sehen wir auch, dass Kinder geboren werden, dass es whatsApp – Gruppen gibt, in denen wir uns austauschen, einander Mut zusprechen und Freude teilen. Sehen wir, dass Gott für uns da sein will und wir füreinander da sein können. Treffen wir uns auf der Mitte, weil wir wissen, dass Welt nie so sein kann, wie wir sie gerne hätten: einfach und problemlos. Aber wir dürfen darauf vertrauen, dass der gute Hirte uns entgegenkommt und uns manchmal auch anschubst, damit wir vorwärts kommen.

Wir haben Gottes Spuren festgestellt

auf unsern Menschenstraßen,

Liebe und Wärme in der kalten Welt,

Hoffnung die wir fast vergaßen.

Zeichen und Wunder sahen wir geschehn

in längst vergangnen Tagen,

Gott wird auch unsre Wege gehen,

uns durch das Leben tragen.

Gedanken zu Psalm 23

Du, Herr, bist mein Hirte -

der, der für mich sorgt, als sei ich seine einzige Sorge! Du bist der, der mich beschützt und behütet.

Du kümmerst dich um mich, gehst mir entgegen, willst mich nicht verlieren. 

Zu kurz komme ich bei dir nicht. An dem, was ich entscheidend brauche, wird es mir nicht fehlen.

Du führst mich hinaus in die Welt, hin zu den Menschen. 

Du bist mit mir: neben mir unter mir, über mir – trägst und erträgst mich „um deines Namens willen“.

Du erfrischst meine Seele, beschwingst und begeisterst sie, motivierst mich immer wieder neu.

Selbst wenn ich durch Schweres hindurch muss: ich muss vor Angst nicht untergehen, denn Du bist bei mir, immer noch und schon wieder.

Du tröstest mich, richtest mich auf, stärkst mein Rückgrat – lässt mich sogar Ruhe und Erholung finden in Zeiten der Not!

Die feindliche Welt soll mir nichts anhaben – zum König werde ich, durch dich.

Mir solls gut gehen – deine Barmherzigkeit begleitet mich mein Leben lang – in deiner Nähe darf ich leben: 

Welch ein Glück, mein Gott!

Gott, unser guter Hirte, Trauer und Freude, Kummer und Jubel, Weinen und Lachen prägen unsere Lebenswege. Wir suchen deine Spuren, du kommst uns entgegen. Wir bitten dich, dass wir in der Lage, in der wir leben, Hoffnung und Vertrauen auf dein Tun in der Welt finden. Wir bitten dich für Trauernde, für Menschen, die Schuld mit sich tragen, für unsere Senioren, unsere Kinder, unsere Eltern. Lass uns in unserem Suchen Dich, guter Hirte, auf der Mitte des Weges treffen und deine Fürsorge für uns spüren.

Es segne uns Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist.


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