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Gottesdienst zum Palmsonntag

Die vier "Alle"

Palmsonntag

Palmsonntag

Palmsonntag, heute ein Gottesdienst auf unserer Homepage, wir laden Sie ein, im Lesen Gottesdienst zu feiern. Palmsonntag, sozusagen der Einstieg in die Karwoche. Der Sonntag, an dem wir erinnern, wie Jesus in Jerusalem eingezogen ist. Mit diesem Tag gehen wir auf Gründonnerstag und Karfreitag zu. Und blicken weiter auf Jesu Auferstehung an Ostern.

Die vier „Alle“, so habe ich diesen Gottesdienst überschrieben. Das erste „Alle“ begegnet uns im Wochenspruch für die Karwoche. 

Der Menschensohn muss erhöht werden, auf das alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben.

„Alle, die an ihn glauben“ - das bindet Menschen zusammen. Zuerst die 12 Jünger, dann die ersten Christengemeinden, später die Christen in der ganzen Welt, eine große Gemeinschaft. Alle, die an ihn glauben, schauen weiter als an das Kreuz; sehen, dass es hinter dem Kreuz, hinter Leid und Tod, weitergeht. Dass da ein Weiterleben ist. 

Das zweite „Alle“ - im Philliperbrief, Paulus betrachtet Jesu Sein und seinen Tod:

Er, der in göttlicher Gestalt war,

hielt es nicht für einen Raub, Gott gleich zu sein,

sondern entäußerte sich selbst 

und nahm Knechtsgestalt an,

ward den Menschen gleich 

und der Erscheinung nach als Mensch erkannt.

Er erniedrigte sich selbst

und ward gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz.

Darum hat ihn auch Gott erhöht 

und hat ihm den Namen gegeben, der über alle Namen ist, 

dass in dem Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Knie, 

die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind, 

und alle Zungen bekennen sollen,

dass Jesus Christus der Herr ist, zur Ehre Gottes, des Vaters.

Das zweite „Alle“: Alle Zungen sollen  bekennen, dass Jesus Christus der Herr ist. Betonung auf Jesus Christus. Kein anderer kann bei Gott Herr sein, als der, der Knecht wurde. Ein armseliger Mensch, der einem anderen unterworfen ist und das freiwillig. Der gehorsam zum Tod am Kreuz gegangen ist. Dieser Jesus Christus ist Herr. Alle Zungen sollen es bekennen, sollen davon reden.

Das dritte „Alle“ – die Erzählung über Jesu Einzug in Jerusalem hier nach dem Johannesevangelium

Als am nächsten Tag die große Menge, die aufs Fest gekommen war, hörte, dass Jesus nach Jerusalem kommen werde, 

nahmen sie Palmzweige und gingen hinaus ihm entgegen und schrien: Hosianna! Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn, der König von Israel! 

Jesus aber fand einen jungen Esel und setzte sich darauf, wie geschrieben steht (Sach 9,9):

»Fürchte dich nicht, du Tochter Zion! Siehe, dein König kommt und reitet auf einem Eselsfüllen.« 

Das verstanden seine Jünger zuerst nicht; doch als Jesus verherrlicht war, da dachten sie daran, dass dies von ihm geschrieben stand und man so an ihm getan hatte.

Die Menge aber, die bei ihm war, als er Lazarus aus dem Grabe rief und von den Toten auferweckte, bezeugte die Tat. 

Darum ging ihm auch die Menge entgegen, weil sie hörte, er habe dieses Zeichen getan. 

Die Pharisäer aber sprachen untereinander: Ihr seht, dass ihr nichts ausrichtet; siehe, alle Welt läuft ihm nach.

Das dritte Alle: „alle Welt läuft ihm nach“. Das Negativurteil der Pharisäer über den Empfang Jesu in Jerusalem. Ein Negativurteil über die ausgelassene Freude der Menschen über Jesus, der Wunder tut. Begrüßt mit einem großen Winken mit Palmenzweigen. Sozusagen ist der rote Teppich ausgerollt worden. Denn der, der da kommt ist im Moment für alle der Messisas, der Gesalbte Gottes, der der von Gott zum König eingesetzt werden wird. Die Obrigkeit in Israel sieht das anders. Sie sieht Jesus als Konkurrent gegen das, was Pharisäer und Schriftgelehrte glauben und lehren. Aber ist Jesus nicht immer Konkurrent gegenüber dem Weltgeschehen? Macht er nicht immer wieder, in jeder Zeit deutlich, was nicht stimmt, worüber geredet werden sollte, was getan werden sollte? 

„Alle Welt läuft ihm nach“.

Das vierte „Alle“ – wir werden sehen…

Wie beginnt bei Ihnen ein Morgen? Gerade in dieser Corona - Zeit stell ich mir vor: einer - eine unserer Konfis: Der Wecker klingelt – eigentlich ist demnächst Schulunterricht digital – und ich weiß, viele sind da einfach nicht wach. Ziehen sich die Decke über den Kopf, schlafen weiter, wenn da nicht jemand ist, der sie weckt. Bloß nicht nachdenken müssen, was heute auf mich zu kommt, was ich alles machen muß, oder eben nicht machen muß. Oder – mit beiden Beinen aus dem Bett hüpfen, in den Tag starten, mich freuen auf das, was ich tun kann, tun darf.

Ich frag mich, wie Jesus die letzten Morgen in seinem Leben erlebt hat. Ob er sich nicht lieber die Decke über den Kopf gezogen hätte und nicht nachgedacht hätte? Er wusste, auch wenn er mit dem großen Winken der Palmenzweige begrüßt würde, würde er als Gottesknecht ein paar Tage später mit Schlägen bedacht, mit einer Dornenkrone geschmückt, mit bösen Worten beschimpft, angespuckt werden. Und er würde das „Kreuzige ihn“ aus aller Munde hören müssen.

Das vierte „Alle“ es steht in einem der Gottesknechtslieder, die Jesaja im ersten Testament aufschreibt: 

Gott der Herr hat mir eine Zunge gegeben, wie sie Jünger haben, dass ich wisse, mit den Müden zu rechter Zeit zu reden. Er weckt mich alle Morgen; er weckt mir das Ohr, dass ich höre, wie Jünger hören. 

Gott der Herr hat mir das Ohr geöffnet. Und ich bin nicht ungehorsam und weiche nicht zurück. 

Ich bot meinen Rücken dar denen, die mich schlugen, und meine Wangen denen, die mich rauften. Mein Angesicht verbarg ich nicht vor Schmach und Speichel.

Aber Gott der Herr hilft mir, darum werde ich nicht zuschanden. Darum hab ich mein Angesicht hart gemacht wie einen Kieselstein; denn ich weiß, dass ich nicht zuschanden werde.

Er ist nahe, der mich gerecht spricht; 

Siehe, Gott der Herr hilft mir; 

Ein Gottesknechtslied, das Jesaja aufschreibt. Eines von vieren. Ein Knecht, der von seinem Leid in der Welt singt. Oder einer, der das Leid eines Gottesknechtes besingt. Das ist nicht ganz klar. Auf jeden Fall handelt es davon, was einem als Gottesknecht geschehen kann. Reden muss er. Ungehorsam oder feige zurückweichen geht nicht. Und damit wird ein Knecht Gottes zum Konkurrent gegenüber anderen Meinungen, anderen Lebenshaltungen. Andere wollen das nicht hören. Sie schlagen ihn und zerkratzen sein Gesicht. Und er macht sein Gesicht hart wie Stein, damit ihm keiner die Traurigkeit, das Leid ansehen kann. Und – das geht noch tiefer. Er macht wohl auch seine Seele hart, damit sie nicht kaputt gehen kann. Bei allem, was ihm geschieht weiß er: Er ist nahe, Gott, der mich gerecht spricht. Alles andere wird vergehen. Gott nicht. Gott bleibt.

Er weckt mich alle Morgen – Jesus hat geglaubt, dass Gott ihn alle Morgen weckt, zu ihm das Wort der ewigen Treue spricht, will, dass er sich fügt und dadurch frei wird. Er hat gewußt, daß Gott ihm täglich nahe ist. Ihn ganz umhüllt mit seinem Wort und seinem Licht. Alle Morgen weckt er das Ohr des Glaubens – für uns, jeden Tag neu.

Die vier „Alle“: Alle Welt läuft ihm nach, alle Zungen sollen bekennen, dass er der Herr ist, alle, die an ihn glauben, sollen das ewige Leben haben, alle Morgen, alle Zeit  weckt er uns das Ohr, umhüllt uns mit seinem Wort, seinem Licht. Die vier „Alle“ schicken uns heute auf den Weg: Uns in das Konkurrenzunternehmen „Christ sein“ einzulassen. Gerade in dieser Zeit Meinungen zu hören und eine christliche Meinung zu vertreten. Darauf zu vertrauen, dass Christus das Licht in unserem Leben ist. Glauben, dass es weitergehen wird und jeden Morgen neu aufstehen und neu Christus zu hören.

Die Karwoche beginnt: Christus musste am Kreuz sterben, damit die vier „Alle“ geglaubt und gelebt werden können.

Wir beten zu Gott, unserem Vater und zu unserem Herrn Jesus Christus, der hinging für uns zu sterben und der auferstand, um mit uns zu leben. Guter Herr, wir bitten dich, dass wir in dieser Zeit, in der wir scheinbar feststecken und nur in weiter Ferne den Silberstreif am Horizont sehen können, daß wir angesichts der vielen Meinungen in der Welt immer wieder nach dir fragen. Wir bitten dich, dass unsere Ohren so offen sind, dass wir dich hören können. Lass uns darauf vertrauen, dass du Licht im Leben bist. Im Leben der Verängstigten, der Zweifelnden, der Unsicheren, der an der Welt Verzweifelnden. Lass uns jeden Morgen neu aufstehen, das Kreuz sehen, aber auch deine Auferstehung glauben. Amen

Es segne uns Gott, der Vater ist, der seine schützende Hand über uns hält. Es segne uns Gott, der Sohn ist, der durch Leid und Traurigkeit gegangen ist damit wir Frieden haben. Es segne uns Gott, der Heiliger Geist unter uns ist, der mit uns unterwegs ist.


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